Stifterglanz - Das Kasseler Ratssilber

 

Sonderausstellung im Kasseler Rathaus, Januar bis Ende 2013

 

Mit einer Sonderpräsentation zum Thema "Stifterglanz - Das Kasseler Ratssilber" in der Wandelhalle vor dem Trausaal des Rathauses will das Stadtmuseum begleitend zum Stadtjubiläum auf ein besonders spektakuläres Stück Kasseler Stifterkultur aufmerksam machen. Einige der schönsten Stücke des Kasseler Ratsschatzes sind nunmehr seit dem 21. Januar bis zum Ende des Festjahres 2013 im Rathaus zu besichtigen.

 

Als "Palast der Bürgerschaft" wollte sich das am 9. Juni 1909 eingeweihte Kasseler Rathaus darbieten, nach Jahrhunderten erzwungener Bescheidenheit im Schatten landesfürstlicher Schlossbauten. 1837 war das Rathaus in der Altstadt abgerissen worden. Fortan hatte sich die Stadtverwaltung im "Oberneustädter Rathaus" eingerichtet, das den Anforderungen der 1906 durch die Industrialisierung und Eingemeindungen von Wehlheiden , Kirchditmold, Bettenhausen, Rothenditmold und Wahlershausen auf rund 150.000 Bewohner angewachsenen Großstadt mehr schlecht als recht genügen konnte.

 

Das neue Ratssilber, zur Tausendjahrfeier Kassels 1913 um einige Zustiftungen auf insgesamt 40 Einzelstücke ergänzt, wurde nicht auf Grundlage eines einheitlichen Stilkonzepts zusammengestellt. Neben Dekorformen der Hochrenaissance, des Barock, Rokoko und Klassizismus finden sich auch solche des Jugendstils. Passend zur Architektur des Kasseler Rathauses vermittelt es insgesamt den Anschein, "älter" und aus unterschiedlichen früheren Epochen "historisch" erwachsen zu sein. Sämtliche Objekte sind mit eingravierten Widmungen der Stifter versehen. Sie erinnern an namhafte Kasseler Kaufleute, Handwerker, Industrielle, Bankiers, Offiziere, Beamte und Stadtverordnete, zu denen seinerzeit auch noch viele jüdische Mitbürger zählten.

 

Den Glanzpunkt der zahlreichen Stiftungen vermögender Kasseler Bürger zur Ausstattung des Rathauses setzte das neue "Ratssilber", zumeist kostbares Tafelgeschirr und Tafelaufsätze. Wie bei entsprechenden Stiftungen in anderen deutschen Großstädten konnte sich hiermit auf besonders spektakuläre Weise gestiegener Wohlstand und Selbstbewusstsein des Bürgertums präsentieren. Zudem galt es Verluste der Vergangenheit auszugleichen.

 

Von einem noch aus älteren Zeiten herrührenden Kasseler Silberschatz mit allein 70 vergoldeten Trinkbechern, welche die Stadtoberen bei ihrem "Einstand" als bleibende Wertanlage spendiert hatten, war nur wenig, darunter der berühmte "Wilkomm", erhalten geblieben. Alles andere hatte die Stadt auf Befehl der Landesregierung wegen schwerer Finanzmiseren zu Beginn des 18. Jahrhunderts notgedrungen veräußern müssen.

 

Gebrauchswert für besondere Anlässe und festliche Tafeln war dem Ratssilber nur selten beschieden. Allein der "Kasseler Willkomm" bewahrte noch einige Zeit seine Bedeutung: Nach alter Sitte wurde er letztmalig 1953 zur Begrüßung von Bundespräsident Theodor Heuss durch Oberbürgermeister Willi Seidel eingesetzt. Traditionsgemäß hatten Gastgeber und Ehrengast jeweils die Hälfte des mit Wein gefüllten Silberbechers zu leeren.

 

2013 stifterglanz 01 

 

2013 stifterglanz 02